Zukunftsvision

Die folgende Vision fasst die Diskussionen und Ideen der Kreativphase erzählerisch zusammen. Sie ist keine abschließende Strategie oder ein klares Handlungskonzept, aber sie lädt Sie und Euch alle dazu ein, in der Planungsphase die gemeinsam entwickelten Ideen weiterzudenken, ihre Machbarkeit zu überprüfen und ihre Umsetzung vorzubereiten!

Die Flusslandschaft Peene ist das Besondere in der Region Peenetal/Loitz. Es ist eines der größten zusammenhängenden Niedermoorgebiete Mittel- und Westeuropas. Nach langen Auseinandersetzungen setzten sich 2018 die Stadt Loitz, die Gemeinden und die Naturschutzverwaltung an einen Tisch und entwickelten gemeinsam ein Nutzung- und Pflegekonzept für die Uferbereiche der Peene. Heute können wieder alte Badestellen genutzt werden. Die sanierte Flussbadeanstalt ist das Highlight der Jugendlichen im Sommer, und ein Rundweg führt Einheimische und Besucherinnen sensibel durch die Flusslandschaft. Ein naturnaher Lehr- und Schaugarten ist Anziehungspunkt nicht nur für Schulen.

Greifswald als Chance, so sahen es 2016 die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Zukunftswerkstätten. Der Nielitzer Zukunftsbaum hatte den Blick auf die hochspezialisierten Unternehmen und Arbeitnehmer in der Universitätsstadt geworfen. „Warum nicht einige ins Peenetal holen?“ Die Teilnehmer sahen aber auch, dass die Dörfer des Peenetals und Loitz wenig bekannt waren. „Ein Paradies auf den (z)weiten Blick“ – Das war das Motto für die Aufmerksamkeits- und Marketingstrategie. Die spannenden Orte sind die, die nicht jeder kennt! Heute ist aus dem Geheimtipp längst ein begehrter Wohn-, Arbeits- und Ausflugsort vor den Toren Greifswalds geworden. Über Kunst und Kultur, Peenetal-Botschafterinnen und -Botschafter sowie viele Gespräche war es gelungen, Loitz für „verrückte“ Unternehmer, müde Stadtbewohner und kleine Betriebe, Händlerinnen und Manufakturen interessant zu machen. Die Mobilität wird über regelmäßige Verbindungen nach Greifswald, Demmin und Stettin, nachbarschaftliche Mitnahmenetzwerke und eine Mobilitätszentrale garantiert. Am schwierigsten war der Anfang. Die Aktionen der Zukunftshändler zeigten, was in leeren Läden möglich ist und brachten Aufmerksamkeit. Mit den ersten Zuzügen und Investitionen entstand langsam eine gelungene Symbiose von alt und neu, von Bewahren und Experimentieren.

Lebensqualität als Ziel, darüber waren sich alle einig. Enkeltauglich sollten Loitz und die Dörfer werden. Energieversorgung, Schulen, Kitas, Gesundheit und Pflege, aber auch die kleinen Angebote wie Badeanstalt, Parkbühne oder andere Kunst- und Sportangebote werden so organisiert, dass sie auch in Zukunft bestehen können. Wo erforderlich, geschieht dies in Kooperation von Bürgern, Kommunen und professionellen Leistungsträgern oder in Eigenverantwortung.

Kommunikation und Miteinander ist die Grundlage für alles. Aus der Idee der „KommunikationsWege“ entstanden reale Wege zum Aufeinanderzugehen, Events, Diskussionsgruppen, eine Bürgerstiftung, ein Hilfeverein vor allem für die Älteren sowie eine genossenschafliche Wohnanlage. Es war aber auch klar: Kommunikation braucht Orte der Begegnung. In Loitz war das schon früh der KulturKonsum. Er entstand aus dem MORO-Wettbewerb und hatte sich über den Wettbewerb Zukunftsstadt weiterentwickelt. Auf den Dörfern sind es unterschiedlichste Gemeinschafts- und Multifunktionsorte. Pate stand u. a. das Dorfgemeinschaftshaus in Sassen mit Jugendclub, Feuerwehr, Mehrzweckraum für Frisör, Physiotherapeut, Arzt und Begegnungen.

„Urbane Kleinstadt Loitz“ entstand als Idee, um Loitz wieder für Einheimische und Zuziehende interessant zu machen und als regionales Zentrum zu stärken. Häuser und Läden im Zentrum standen leer. Die Dörfer des Amtes brauchten aber dringend das Versorgungszentrum. So war die Kleinstadt Loitz Problem und Lösung zugleich. 15 Jahre später ziehen die Menschen nach Loitz, weil sich hier Kleinstadt, Urbanität und Landschaft verbinden. Um den Markt ist wieder Leben: eine Eismanufaktur, eine Buchhandlung mit Cafè, neue Formen digitalisierten Einzelhandels, ein syrisches Restaurant, ein Seniorenzentrum mit Online-Sanitätshaus sowie neue urbane Wohnformen in historischen Mauern. Am Anfang standen temporäre Nutzungen. Die Ideen der Zukunftshändler waren genial: Leben in die Schaufenster und leeren Gebäude auf Zeit, zum Ausprobieren. In den ersten Jahren gab es eine Schülerfirma, junge Unternehmer probierten sich aus, Vereine tagten vor aller Öffentlichkeit und Künstler der Region hatten für einige Zeit ihre Ateliers in der Altstadt. Parallel gab es Diskussionsrunden, ein Leitbild für „Neue Nutzungen am Markt“ entstand: nicht mehr traditioneller Einzelhadel, sondern Ort der Begegnung und des Miteinanders. Mobile Shops mit wechselnden Kollektionen und visueller Präsentation machen ein Shopping-Erlebnis vor Ort möglich. Bestellt wird per QR-Code, ausgeliefert wird nach Hause oder in die Kofferräume der Autos.

Lebendige Dörfer erhalten und stärken, war die andere Aufgabe. Die Dörfer waren schon auf einem guten Weg. Seit 2015 hatten die meisten wieder Zuzug. Ideen und Konzepte wie die Dorfge(h)danken in Görmin waren vorhanden oder wurden über Dorfmoderation entwickelt. Vieles wurde Schritt für Schritt umgesetzt. In Sassen entstand zunächst ein Kräuter- und Gemüsegarten für Jung und Alt, und schon bald entwickelte sich die Kochgruppe und erarbeitete den regionalen Einkaufsführer. In Görmin entstanden nach den ersten selbstorganisierten Ferienlagern für Kinder immer mehr gemeinsam organisierte Aktivitäten. Seit Jahren gibt es hier nun auch die „Kümmer-Tage“, bei denen verschiedenen Generationen, Menschen mit Behinderung und Menschen mit Migrationshintergrund zusammenkommen und sich unterstützen. Auf den dörflichen Tauschbörsen hat sich dafür der Peenetaler als Währung etabliert. In Passow ist ein Garten der Begegnung entstanden; der Dorfge(h)dankenweg verbindet die Dörfer und gibt Hinweise zu Sehenswürdigkeiten und Sitzgelegenheiten, und leitet auch den Weg zu den naturnahen Badestellen an der Peene. In Nielitz hat sich ein Dorfverein gegründet. Auf dem ersten Weihnachtsmarkt vor dem Fahrverein entstand die Idee, begehbare Adventskalender zu organisieren. Auch das Sommerfest ist aus der Begegnungskultur nicht mehr wegzudenken. Zum überregionalen Zugpferd ist die Bluesnacht in Düvier geworden.

Vielfalt der Wohnformen ist heute, 2030, die Stärke des Amtes Peenetal/Loitz. Ruhiges, großzügiges Wohnen in der Natur und Freiraum für Lebenskunstexperimente auf den Dörfern, städtische Wohnformen in Klein-Stadt-Häusern, im Wohnspeicher in Loitz, altengerechtes und inklusives Wohnen im Loitzer Generationenquartier oder in der dörflichen Gemeinschaft, zudem genügend preisgünstige Wohnangebote. Städtische Baunischen, die bewusst für Gemeinschaftsgärten gelassen werden. Daneben natürlich auch das klassische Einfamilienhaus und das modernisierte Neubaugebiet der Vorwendezeit.