Mobilitätstag

Es fährt kein Zug, nach nirgendwo! Doch es gibt Alternativen – Mobilitätsvisionen im Amt Peenetal/Loitz 2030

Der Amtsvorsteher und Görminer Bürgermeister Eckart Zobel begrüßte am 23.11.2015 die Gäste des Mobilitätsnachmittages und wies mit Stolz darauf hin, dass entgegen allen demografischen Prognosen die kleine ländliche Gemeinde Görmin seit drei Jahren wächst! Logischerweise ist die Mobilitätsanbindung besonders an die nahegelegene Universitätsstadt Greifswald mit ihren Arbeits- Einkaufs-, Kultur- und Versorgungsangeboten hier ein großes Thema.

Der Mobiltätsforscher Frank Schwartzbach vom InnoZ in Berlin stellte den Anwesenden das über ein Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur von 2013-2015 erarbeitete Integrierte Mobilitätskonzept Peenetal/Loitz 2030 vor. Herr Schwartzbach wies trotz der guten Entwicklung in Görmin darauf hin, dass die Bevölkerungszahl im Peenetal/Loitz langfristig jedoch sinken wird und der Anteil der älteren Bevölkerung auf 40 % ansteigt. Das Mobilitätskonzept erhalte dennoch die zentrale Buslinie von Demmin über Loitz nach Greifswald und möchte diese idealerweise im 2h-Takt bedienen. Für die Bereiche „drumherum“ sehen die Forscher die Zukunft in ergänzenden Rufbusangeboten sowie in einer Stärkung von Privatverkehren: vom Rad- bis zum Mitnahmeverkehr.

Als Inspiration stellt Herr Schwartzbach zudem Beispiele aus anderen Regionen Deutschlands vor. Es folgte eine rege Diskussionsrunde, in der auch anwesende Mobilitätsfachleute ihre Sicht der Dinge einbrachten, aber auch Wünsche und Schwachstellen aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer benannt wurden. So schilderte eine Teilnehmerin, dass sie trotz verschiedener Bemühungen nicht in Erfahrung bringen konnte, wie der Theaterbus nach Greifswald organisiert und zu nutzen ist. Eine Mutter formulierte Unverständnis dafür, dass ihr niemand erklären kann, warum ihr Kleinkind nicht mit dem größeren Bruder im Schulbus nach Greifswald fahren kann.

Von Elektro- und Lastenfahrräder bis zur Modalyzer-App

In der Pause gab es nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch Elektro- und Lastenfahrräder zum Selbsttest. Und im zweiten Teil stellte der Mobilitätsforscher Benno Hilwerling, ebenfalls vom InnoZ in Berlin, zunächst die App Modalyzer vor. Sie bietet Aufnahme- und Analysemöglichkeit bestehender Mobilitätswege und -ketten. Jeder einzelne kann so seine persönliche Mobilität aufzeichnen und dabei seinen eigenen CO²-Verbrauch erfassen. Die App ist aber auch in der Lage, unter anderem aufgrund von Geschwindigkeiten jegliche Fortbewegungsform zu unterscheiden und aufzunehmen. Lediglich der Fernbus wird noch nicht als solcher erkannt und mit dem PKW gleichgesetzt. Über diese anonymisierte Form der Bestandsaufnahme können viele Daten gewonnen werden, die gesammelt und in einer Karte aggregiert Mobilitätsnachfragen abbilden können ‒ Möglichkeiten, die zukünftig auch im Amt Peenetal/Loitz genutzt werden könnten, erkannte der Vertreter der örtlichen Verkehrsgesellschaft fasziniert.

Der Vorsitzende des ADFC-Landesverbands Steffen Burkhardt betonte am Ende der Veranstaltung, dass das Fahrrad ein wichtiger Baustein in einem integrierten Verkehrssystem ist. Schutzstreifen werden auf Landstraßen getestet und ein neuer Schutzbrief gewährt eine Weiterfahrt auch im Fall einer Reparatur.

Präsentation des InnoZ

Artikel zum Mobilitätstag vom 26. November 2015